Dichterfürsten

Suchen

Main Menu

  • Vermischtes
  • Hintergrund
  • Wissenschaft
  • Boulevard
  • Sport
    • Fußball
  • Kultur
  • Weltgeschehen
    • Europa
    • Amerika
    • Asien
    • Afrika
    • Australien
    • Allgemein
  • Wirtschaft
    • Börse
    • Märkte
    • Allgemein
  • Politik
    • Parteien
    • Gesellschaft
    • Allgemein
  • Home
Startseite Politik Parteien „Auch das Nichts-Tun kann ich besser“

„Auch das Nichts-Tun kann ich besser“

  • Drucken
  • E-Mail
Details
Veröffentlicht am Mittwoch, 26 Oktober 2011 18:24
Geschrieben von takeonme

Ein Interview mit Oliver Kröning, DIE PARTEI

 

1. Du hast angekündigt, für die Wahl zum Weimarer OB zu kandidieren. Kannst Du kurz Dein Programm umreißen?

Die Partei DIE PARTEI ist eine schmierige und populistische Partei, die kein Programm braucht. Unsere Zielsetzung lässt sich auf zwei Worte reduzieren: Inhalte überwinden! Dennoch gibt es mehrere Anliegen, die ich als Weimarer Oberbürgermeister durchsetzen werde: 1 - Mehr Klassik für Weimar, 2 - Großherzogtum wiederherstellen, 3 - Kriminelle Erfurter abschieben.

Zu Punkt 1: Jeder weiß, dass sich Goethe und Schiller auf engstem Raum ein Denkmal teilen müssen, während Wieland und Herder eins für sich alleine haben. Eine schreiende Ungerechtigkeit. Wir brauchen also auch je ein eigenes Denkmal für die beiden großen Dichterfürsten. Selbstverständlich meine ich jetzt Goethe und Schiller.

Zu zweiten Punkt: Wir alle wissen, dass das demokratische Prinzip versagt hat. Bei Kommunalwahlen und OB-Wahlen liegen die Wahlbeteiligungen mittlerweile bei 25%, wenn es hoch kommt bei 33%. Die Menschen haben sich von der Demokratie abgewandt, jubeln aber gleichzeitig blaublütigen Hochstaplern auf Franken und anderswo zu. Deswegen brauchen wir wieder das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, um die Herzen der Menschen zurückzugewinnen. Gleichzeitig unterstützen wir damit das hiesige Maurergewerbe, denn eine räumliche Abtrennung vor allem zu Preußisch-Thüringen ist alternativlos.

Punkt 3: Selbstverständlich wird es in der Mauer an der Grenze zu Erfurt Übergänge geben, an denen kriminelle Erfurter in ihre Heimat rückgeführt werden. Denkbar sind auch Bananenklappen,  mittels denen die Erfurter Bevölkerung an der Weimarer Südfrüchteernte partizipieren kann. Aushungern wollen wir die Menschen im anderen Teil Thüringens nicht.   

2. Was hat Dich bewogen, in DIE PARTEI einzutreten? Bisher bist Du Lesern, Zuhörern und kopfschüttelnden Bürgern ja in verschiedenen Rollen bekannt: Als Salz-in die Wunden-der-FDP-Streuer, als amüsierter Prophet des Zusammenbruchs des westlichen Wertesystems und als engagierter Theaterstückeherunterputzer.

Ich bin PARTEI-Mitglied der ersten Stunde. Schon mein Urgroßvater war in der Partei und hat deswegen vom Führer ein Häuschen geschenkt bekommen. Das ist Verpflichtung und Ansporn zugleich. Außerdem macht die Partei DIE PARTEI alle anderen Parteien überflüssig und sorgt somit wieder für mehr Übersicht. DIE PARTEI ist die Partei der radikalen Mitte. Links und rechts neben der PARTEI kann es nichts geben, darf es nichts geben und wird es nichts geben.

3. Wie vereinbarst Du Deine systemkritische Haltung mit der Mitgliedschaft in einer staatlich zugelassenen Partei? Gäbe es nicht andere, vielleicht drastischere Ausdrucksformen für eine politische oder künstlerische Betätigung? Ich denke da an das, was beispielsweise in Gotham City geleistet wurde.

Wir weisen jede Verantwortung dafür zurück, dass DIE PARTEI eine zugelassene Partei ist. Das bisherige Establishment wird schon sehen, was es von seinem Pluralismus-Dogma haben wird. Gotham City ist nur eine Chiffre. Wenn es unserem populistischen Anspruch gerecht wird, werden wir über eine eigene Chiffre nachdenken. „Gallisches Dorf“ wäre eine Möglichkeit. 

4. Du hast Germanistik studiert. Von welchen Erfahrungen würdest Du als OB des literarischen Weimar besonders profitieren?

Selbstverständlich habe ich Goethe gelesen, der nicht nur fragwürdige Verse geschmiedet hat, sondern als Geheimrat auch ein Machtmensch des Weimarer Hofes war. Deswegen darf ich in aller Bescheidenheit sagen: Von Goethe lernen, heißt siegen lernen.

5. Was unterscheidet Dich von Deinen Mitbewerbern?

Noch sind nicht alle Kandidaten bekannt, eines aber ist jetzt schon sicher. Alle wollen nur an die Macht, aber nichts für die Menschen in unserer Stadt tun. Deswegen rufe ich allen Bürgerinnen und Bürgern Weimars zu: Auch das Nichts-Tun kann ich besser.

6. Du hast sicherlich die Konkurrenz schon kritisch beäugt. Der jetzige OB gibt – auszugsweise! – 20 Mitgliedschaften an, allen voran den Vorsitz bzw. stellvertretenden Vorsitz des Verwaltungsrates der Sparkasse Mittelthüringen. Wahrlich eine stolze Leistung für einen aufrechten Demokraten und ein verdientes Mitglied unserer Gemeinschaft. Wie hast Du vor, damit zu konkurrieren? Hast Du Netzwerke außerhalb der Partei, die Dir helfen können? Hochbegabte, Kirchen, Tempel, Synagogen oder Moscheen?

Selbstverständlich stehen mir Netzwerke zu Verfügung. Ich werde hier aber einen Teufel tun und die Illuminati gegen mich aufbringen, indem ich auf dem Nähkästchen plaudere. Ich bitte um Verständnis.

7. Auch in Weimar hat kürzlich ein Auto gebrannt. Rätst Du zur Panik oder zum Unter-den-Tisch-Kehren?

Autos abfackeln war vielleicht noch cool, als es nur in Berlin und Hamburg passierte. Inzwischen ist so etwas auch in Erfurt und Gera geschehen und damit voll spießig. Ich rufe alle Menschen in unserer Stadt auf, dies zu unterlassen. Vermutlich sind das Erfurter, die wir abschieben müssen. Ein anständiger Weimarer tut sowas nicht. Schließlich habe ich auch ein Auto.   

8. Zur Bundespolitik: Wie siehst Du als Aktivist einer jungen Partei die Tatsache, daß die etablierten Parteien uneigennützig die 5-Prozent-Hürde verteidigen?

Nun, mit der FDP ist ja eine etablierte Partei gerade dabei, an der selbstgestrickten Hürde zu scheitern, was wir mit Häme beobachten. Uns selbst interessiert die 5%-Hürde nicht. Wir wollen nur die absolute Mehrheit und sonst nichts.

9. Auch dieses Interview kommt nicht ohne die bekloppteste und sinnärmste aller Worthülsen aus. Bitte ein kurzes Statement zum Thema Nachhaltigkeit.

Unser Wahlsieg wird die Nachhaltigkeit schlechthin sein. Wir kennen die Wankelmütigkeit nicht nur der Frauen, sondern auch der Männer. Um möglichst nachhaltig regieren zu können, ersparen wir den Bürgerinnen und Bürgern nach unserem Wahlsieg, ihre Fehler bei der Stimmabgabe zu korrigieren.

10. Kritiker beklagen einen mangelnden Frauenanteil an Dir. Wie gehst Du damit um?

Eine berechtigte Kritik, die wir uns zu Herzen nehmen. Wir sind bereits in Verhandlungen mit dem italienischen Staat, nach der Abdankung von Duce Due einige schöne Damen zu übernehmen. Bunga Bunga darf auch in der Klassikerstadt Weimar kein Fremdwort sein.

11. Das Establishment lässt bisher den Respekt vor der PARTEI vermissen, Schlagwort „Satirepartei“. Was antwortest Du darauf?

Die Respektlosigkeit wird manchen schon noch vergehen. Wir sind weder eine Satire- noch eine Spaßpartei wie die FDP. Dies werde ich auch als neuer OB von Weimar deutlich machen. Eine Übergabe des Rathausschlüssels an so genannte Narren am 11.11. eines jeden Jahres wird es mit einem OB Kröning nicht mehr geben. Für ein solch seichtes Bespaßungsritual fehlt uns jegliches Verständnis.

12. Vielen Dank für das Interview. Und bitte richte dem großen Vorsitzenden beste Grüße aus!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Martin Sonneborn und Oliver Kröning.

 

Das Interview führte Wolfgang Klinghammer.

Beliebte Beiträge

  • Impressum
  • Über diese Seite
  • Studie: Habermas rehabilitiert?
  • Nicht genug Rechtsextremisten
  • Pofalla stillgelegt
  • Über diese Seite
  • Impressum
  • Mal im Ernst